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Dr. Matthias Reinschmidt - Zoodirektor in Karlsruhe

Karlsruhe (cmk) Dr. Matthias Reinschmidt ist wohl der prominenteste Zoodirektor, den Karlsruhe je hatte. Er war zuvor Zoologischer Direktor und Kurator des weltbekannten Loro Parque, ist allerdings im badischen Bühl geboren. 2015 zog es ihn zurück in die Heimat, seither schlägt sein Herz im Zoologischen Stadtgarten der Fächerstadt. Die neue welle hat mit dem durchweg sympathischen Zoodirektor gesprochen.

Dr. Matthias Reinschmidt mit seinem Henry. Foto: dnw

Ein Leben für die Tiere

Dr. Matthias Reinschmidt ist als Direktor des Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe seit 2015 für die rund 4.000 dort beheimateten Tiere und mehr als 100 Mitarbeiter verantwortlich. Er lebt im wahrsten Sinne des Wortes für seine tierischen Schützlinge, übernachtet sogar ab und zu im Zoo. Wie es dort nachts klingt? „Man hört hier nachts eine ganze Menge! Vor allem hört man den Löwen brüllen, es kann also sein dass nachts um 3 Uhr der Löwe aus tiefster Stimme heraus brüllt. Davon kann man dann schon aufwachen. Und das was man über den ganzen Zoo hört ist das Brunftgeschrei unserer Seelöwen. Wenn unser Seelöwenbulle so richtig in der Brunft ist, dann röhrt der hier über das ganze Gelände das ist unglaublich. Und die Weibchen geben dann entsprechend Antwort“, erzählt Reinschmidt.

Henry ist Reinschmidts Liebling

Und obwohl er natürlich alle Tiere liebt, darf auch ein Zoodirektor einen Liebling haben. Das ist bei Dr. Matthias Reinschmidt – wie soll es anders sein – ein Papagei. „Im Moment ist der absolute Favorit natürlich ein Papagei, das ist der Henry. Er ist ein Hyazinth-Ara, den wir letztes Jahr hier aufgezogen haben“, so der gebürtige Badener. Henry kam aus Nürnberg nach Karlsruhe, wo Reinschmidt sich dem kleinen Schützling persönlich annahm. „Sie haben mich gefragt, ob ich es aufziehen würde, weil sie meine Kompetenz in dieser Hinsicht kennen. Da konnte ich dann nicht nein sagen. Dann kam so ein kleines 60 Gramm schweres, rosa Ding – das hat gerade in eine halbe Hand gepasst. Ich habe es dann aufgezogen, habe aber noch ein bisschen Hilfe gebraucht, weil das ein Tag und Nacht Job ist. Man musste es alle 2 Stunden füttern und so ist Henry dann groß geworden“, erzählt der heute 55-Jährige. Henry hat sich unter Reinschmidts Obhut prächtig entwickelt, er ist heute etwa einen Meter groß. „Henry ist einer der größten Papageien, den es auf der Welt gibt. Er ist ein Hyazinth-Ara und ist einen Meter groß. Er hat einen riesigen Schnabel und ist kobaltblau. Ich habe jetzt auch eine Voliere direkt vor meinem Fenster bauen lassen, dort wird er im Frühjahr einziehen. Er bekommt dann auch noch ein Mädel dazu, im Tierpark Berlin ist letztes Jahr ein Weibchen geschlüpft. Sie ist genauso alt wie Henry und kommt im Frühjahr dann auch zu uns. Und dann kann ich jeden Tag aus meinem Fenster rausschauen und die beiden beobachten“, freut sich der „Papagei-Papa“.

Auch ein Zoodirektor hat klein angefangen

Doch die absoluten Publikumslieblinge im Zoo sind nicht die Papageien, sondern die Erdmännchen. So erzählt der Zoodirektor: „Es sind die Erdmännchen. Das sind mit die beliebtesten Zootiere überhaupt! Gerade im Moment haben wir Jungtiere, die zeigen sich noch nicht jeden Tag. Aber wenn weiterhin so schönes Wetter bleibt kommen sie jeden Tag raus. Sie sind noch so klein und so süß die Erdmännchen, aber trotzdem sind es Raubtiere. Die fressen absolut alles, was ihnen vor die Schnauze kommt.“ Da auch ein heutiger Zoodirektor einmal klein anfangen musste, kennt sich Reinschmidt natürlich auch mit den unangenehmsten Aufgaben im Zoo bestens aus. „Mir hat es zwar nie etwas ausgemacht, aber die Entenhütte zu säubern also das Winterquartier, das war wortwörtlich schon eine „Scheißarbeit“. Aber ich habe es trotzdem gerne gemacht, gerade mit Vögeln kann ich ja sehr gut aber ich war zum Beispiel auch damals bei den Kamelen, als gerade ein Jungtier zur Welt kam. Das hat schon auch Spaß gemacht. Aber die Tiere riechen natürlich schon und genauso riechen dann auch die Tierpfleger. Deshalb duscht sich auch jeder Tierpfleger, bevor er nachhause geht“, verrät er.

"Dieser Tag bleibt einem ewig in Erinnerung"

Leider gibt es nicht immer nur erfreuliche Tage in einem Zoo. Die wohl schwersten Stunden für den Zoodirektor sind es, wenn er von geliebten Tieren Abschied nehmen muss. So erzählt er im Interview: „Wir hatten letztes Jahr zwei Verluste hier und das sogar am selben Tag. Sowas hätte ich mir vorher nie vorstellen können. Wir haben die Rani verloren, das ist der älteste Elefant in Deutschland und der Zweitälteste Europas gewesen. Rani war knapp 64 Jahre alt, war 62 Jahre hier bei uns in Karlsruhe. Es war klar, dass sie irgendwann gehen wird. Ich wurde dann gerufen, das war Samstags, und konnte mich noch von ihr verabschieden. Sie ist dann an Kreislaufversagen gestorben. In dem Moment, in dem sie tot war, bekam ich die Meldung aus dem Exotenhaus, dass unser Pippi-Langstrumpf-Papagei von der Stange gefallen war und auf dem Boden sitzt. Ich bin dann sofort dorthin gerast und hab ihn dann auf die Hand genommen. Ich saß zwei Stunden mit ihm da und habe gemerkt es geht zu Ende mit ihm. Dass wir gerade unsere zwei bekanntesten und berühmtesten Tiere innerhalb von zwei oder drei Stunden verlieren, das war ein Zufall den man sich hätte vorher nie vorstellen können. Das hat mich natürlich auch sehr geschmerzt. Dieser Tag bleibt einem ewig in Erinnerung“, so Reinschmidt.