HIV-Infizierte kämpfen mit Vorurteilen und nicht mit dem Virus

HIV-Infizierte kämpfen mit Vorurteilen und nicht mit dem Virus

Region (mt) - Etwa 13.400 Menschen in Baden-Württemberg sind HIV positiv. Den meisten von ihnen macht aber nicht das Virus zu schaffen, sondern die Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden. Daher soll der heutige Welt-Aidstag vor allem eines und zwar Aufklären. "Es sind immer unbegründete Ängste, die andere Menschen haben, Infektionsängste zum Beispiel im privaten Bereich", erzählt Anja Stegbauer-Bayer, Geschäftsführerin der AIDS-Hilfe Karlsruhe. Die größte Diskriminierung gibt es allerdings im medizinischen Bereich und in der Pflege. "Das hängt häufig mit dem Unwissen von Pflegenden über HIV zusammen. Wie es übertragen wird. Wie man sich schützen kann. Dass heute eine gute medizinische Behandlung von HIV Infizierten möglich ist", erklärt Matthias Tures, Berater der AIDS-Hilfe Karlsruhe.

Foto: Picture-Alliance/Ulrich Baumgarten

HIV-Hilfe ist keine Sterbebegleitung mehr

Dabei hat sich in den vergangenen 30 Jahren auf dem Gebiet einiges getan. "Früher war es eine tödliche Seuche. Wir haben hier Sterbebegleitung gemacht und waren in den Kliniken und auf den Friedhöfen unterwegs", erinnert sich Petra Axamit. Sie ist jetzt seit 30 Jahren Beraterin bei der AIDS-Hilfe Karlsruhe. "Mitte der 90er kam dann die sehr wirkungsvolle Kombinationstherapie mit neuen Wirkstoffen und von da an wurde die HIV Infektion immer behandelbarer." Mittlerweile ist HIV eine chronische Erkrankung, mit der die Menschen gut leben können. Denn durch die entsprechende Therapie ist das Virus inzwischen zumindest medizinisch kein Thema mehr. "Die Virusvermehrung wird dadurch unglaublich reduziert und man spricht dann davon, die Viruslast ist unterhalb der Nachweisgrenze. Das heißt, die Viren sind gar nicht mehr nachweisbar", so die Beraterin. Von den HIV positiven Menschen geht dann keine Infektionsgefahr mehr aus. Sie können ein völlig normales Leben führen. Das schließt sogar Sex ohne Kondom und auch eine Schwangerschaft mit ein.

Schutz vor einer Infektion

Neben der Therapie schützt das Kondom zuverlässig vor einer Infektion. Eine weitere Möglichkeit ist der sogenannte PrEP, die Prä-Expositions-Prophylaxe. Bei der werden präventiv HIV-Medikamente eingenommen. "Die PrEP wird überwiegend von Männern genutzt, die Sex mit Männern haben. Die sehr viele wechselnde Partner haben", erklärt Anja Stegbauer-Bayer. Wer sexuell aktiv ist, sollte sich generell häufiger testen lassen. "So wie ich auch zum Zahnarzt regelmäßig gehe, checke ich meine sexuelle Gesundheit durch. Aber auch ganz gezielt, wenn mal das Kondom gerissen ist. Wenn ich einfach mal aufs Kondom verzichtet habe, weil ich keine Lust drauf hatte, ist es sinnvoll, sich nach einer bestimmten Inkubationszeit auf HIV testen zu lassen", führt die Geschäftsführerin aus.

Testergebnis nach 20 Minuten

In ganz Baden-Württemberg gibt es zwölf Aidshilfen, bei denen sich Menschen gegen das Virus, aber auch gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen können. "Sie rufen uns bitte an. Wir führen die Tests auch anonym durch und wir klären dann bei der Terminvereinbarung schon ein paar wesentliche Dinge ab. Zum Beispiel hatten Sie ein Infektionsrisiko? Wenn ja, wann war das? Das ist ganz wichtig, dass man bestimmte Zeiten einhält, damit der Test auch sicher ist", erklärt Axamit. "Beim HIV-Schnelltest ist das Ergebnis schon nach 20 Minuten da. Dann teilen wir auch das Ergebnis mit. Und die anderen Tests, die werden ins Labor geschickt. Das dauert dann eine Woche, bis das Ergebnis dann da ist. Und diese Testergebnisse, die werden dann telefonisch mitgeteilt."

Das richtige Outing

Ein großes Themenfeld, um die sich die Beratung rund um das Thema HIV dreht, ist das richtige Outing. Besonders im medizinischen Bereich können fehlende Informationen nämlich zu Problemen führen. "Es gibt bestimmte Medikamente, die mit HIV Medikamenten eine Wechselwirkung hervorrufen können", sagt Axamit. Eine Pflicht, seinem Arzt seine HIV-Krankheit mitzuteilen, gibt es nicht - die gibt es lediglich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Häufig sind die Reaktionen des medizinischen Personals dann aber nicht angemessen. "Mir hat vor Kurzem jemand erzählt, da wurde der Zahnarztstuhl dann desinfiziert, nachdem der Klient darauf gesessen hat", so die Beraterin. Die AIDS-Hilfe möchte diesem Verhalten entgegenwirken. "Wir bieten Infoveranstaltungen speziell für medizinische Fachkräfte an, um da Ängste abzubauen, die nicht sein müssen." Wer die Arbeit der AIDS-Hilfen vor Ort unterstützen möchte, kann Mitglied werden und einen Jahresbeitrag spenden. Die verschiedenen Citypoints haben häufig aber auch Infoständen, bei denen Sachen verkauft werden. Wer möchte, kann aber auch einfach so spenden.


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