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Am Montag Urteil im Schwimmlehrer-Prozess in Baden-Baden

Baden/Baden (dpa/as) Als der Fall aufflog, waren Eltern im Raum Baden-Baden/Rastatt/Bühl/Achern entsetzt über die Dimension und Kaltblütigkeit - ein Schwimmlehrer soll fast 40 seiner ihm anvertrauten kleinen Schülerinnen sexuell missbraucht und unter anderem gefilmt und bedroht haben - teils unter Wasser unbemerkt vor den Augen der Eltern. Der Angeklagte versuchte sich mit einer miesen Masche herauszuwinden und beschuldigte seinen Chef, bevor er schließlich doch einen Teil der Vorwürfe einräumte. Am Montag (19. November) soll vor dem Landgericht Baden-Baden das Urteil gegen den 34-Jährigen fallen. 

Foto: Daniel_B-Fotos / pixabay

Anklage wegen Missbrauch, Nötigung und Bedrohung

Mehr als zwei Monate nach Beginn des Missbrauchsprozesses gegen einen Schwimmlehrer sollen am Montag (19. November) in Baden-Baden die Plädoyers gehalten und das Urteil gefällt werden. Der 34 Jahre alte Angeklagte soll fast 40 Mädchen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren zum Teil schwer sexuell missbraucht, genötigt, verletzt und bedroht haben. Die vor dem Landgericht verhandelten Taten geschahen während der Schwimmkurse – entweder im Schwimmbecken unter Wasser oder auch in Umkleidekabinen.

Mutmaßlicher Täter stellt sich als Opfer dar

Die schweren Übergriffe in Schwimmbädern im Kreis Rastatt, Ortenaukreis, Kreis Calw sowie Lörrach und Baden-Baden hatte der Mann zum Teil mit einer Unterwasserkamera gefilmt. Entsprechende Aufnahmen waren bei Durchsuchungen seiner Wohnung sichergestellt worden. Statt schnell ein Geständnis abzulegen, hatte der Mann am zweiten Prozesstag in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung geltend gemacht, sein ehemaliger Chef habe ihn erpresst und zu einem Teil der Straftaten gezwungen. Die Vorwürfe erwiesen sich rasch als haltlos. Die Ermittlungen dazu wurden eingestellt.

Jüngstes Opfer war vier Jahre 

Dem 34-Jährigen werden rund 200 einzelne zwischen Oktober 2015 und September 2017 begangene Taten zur Last gelegt. Darunter sind neben schwerem Missbrauch auch Nötigung, Körperverletzung und massive Einschüchterung einiger Kinder. Das jüngste war erst vier. Im Verlauf des Prozesses räumte er einen Großteil der Taten ein. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits zum Prozessauftakt angekündigt, neben einer Haftstrafe auch die Sicherungsverwahrung anzustreben. Ein Sachverständiger hatte dem Angeklagten später pädophile Neigungen und volle Schuldfähigkeit bescheinigt.

160 Schwimmkurse in der Region überprüft

Das Verfahren kam in Gang, als die Eltern von zwei Fünfjährigen im Sommer 2017 unabhängig voneinander Anzeige bei der Kriminalpolizei Rastatt erstatteten. Umfangreiche Ermittlungen folgten. Rund 160 Schwimmkurse, die der Angeklagte für jeweils bis zu 14 Kinder gegeben hatte, wurden überprüft und Hunderte von Eltern kontaktiert. Der Angeklagte sitzt seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.