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OB Wahl Karlsruhe - Die Kandidaten

Am 6. Dezember wählt Karlsruhe einen neuen Oberbürgermeister. Hier erfahren Sie alles über die Kandidaten.

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Am 6. Dezember wählt Karlsruhe einen neuen Oberbürgermeister. Hier erfahren Sie alles über die Kandidaten.
(Alphabetisch sortiert nach den Nachnamen der Kandidaten)

Petra Lorenz - OB Kandidatin für die Partei "Freie Wähler/Für Karlsruhe"

Demut und Dankbarkeit

Petra Lorenz beschreibt sich selbst als humorvollen und naturverbundenen Menschen. Sie liebt Tiere und Gärtnern. "Ich arbeite viel lieber draußen im Garten, als drinnen im Haus." In ihrem bisherigen Leben hat sie schon viele Stationen durchgemacht. Mit 23 Jahren hat Lorenz ein Kind aus Südamerika adoptiert. Dadurch habe sie große Demut und große Dankbarkeit gelernt. "Das ist für mich auch der Anlass, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Sondern mehr schauen, was man auf der Welt zurückgeben und für andere tun kann." Lorenz bekleidet nach eigener Aussage viele Ehrenämter und genau das habe sehr hohen Stellenwert bei ihr - egal ob Baumpatenschaften oder die Unterstützung von Mitmenschen, denen es nicht so gut gehe.

Finanzen, Bauen, Verkehr

Petra Lorenz sieht sich selbst als unvoreingenommene und parteipolitisch unabhängige Kandidatin und sieht darin ihren großen Vorteil. Im Falle einer Wahl würde Lorenz vor allem die finanzielle Situation der Fächerstadt angehen. "Die finanzielle Lage wird Karlsruhe weiterhin sehr belasten. Eine weitere Herzensangelegenheit wäre die Wirtschaftsförderung. Ich würde kleine und mittelständische Betriebe besser unterstützen und fördern. Punkt Zwei wäre das Thema Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und an dritte Stelle der Verkehr. Eingeschlossen ÖPNV, Radverkehr und Individualverkehr", so Lorenz im Interview mit der neuen welle.

Defizite minimieren

Die Stadtfinanzen würde Lorenz gerne unternehmerischer angehen. Sie sieht vor allem bei Großprojekten zu hohe Investitions- und Folgekosten. "Ich nehme mal das Beispiel Kombi-Lösung, die uns 1,5 Milliarden Euro kostet und dann jedes weitere Jahr 40 Millionen Euro verschlingt. Dadurch fehlt Geld an anderen Stellen, wie sozialen Einrichtungen, Kindergärten oder Schulen. Ich würde da beispielsweise den ÖPNV in Karlsruhe viel attraktiver machen, dass ihn mehr Menschen wieder nutzen. Und so die Defizite minimieren", so Lorenz weiter.

Frank Mentrup - Amtsinhaber und OB Kandidat für die "SPD" und die "Grünen"

Drei Voraussetzungen als OB

Der 55-jährige Mentrup möchte für weitere acht Jahre der Chef im Karlsruher Rathaus bleiben. Der Job mache ihm sehr viel Spaß, sagte Mentrup im Interview mit der neuen welle: "Es ist für mich jeden Tag eine neue Herausforderung." Seiner Meinung nach muss ein Oberbürgermeister drei Dinge mitbringen: "Man muss in der Lage sein, sich relativ anpassungsfähig immer wieder neuen Themen zu stellen und verantwortliche Entscheidungen herbeizuführen. Man muss Erfahrungswissen mitbringen. Und man muss in der Lage sein vertrauensvoll mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Probleme zu lösen und die Perspektiven der anderen einzubeziehen." Mentrup sieht eine gute Gestaltung der Stadt Karlsruhe in den vergangenen sieben Jahren seiner bisherigen Amtszeit. Dort möchte Mentrup nicht aufhören, sondern noch viele neue Projekte angehen.

Innenstadt, Finanzen und Klimaschutz

Hauptthema des gebürtigen Mannheimers wird die Gestaltung der Innenstadt sein, wenn die Kombilösung fertiggestellt sein wird. "Erst wenn die Schienen aus der Kaiserstraße raus sind, kann man anfangen dort wirklich etwas zu gestalten. Und das ist total spannend", so Mentrup weiter. Denn künftig müssten die Menschen überzeugt und begeistert werden, um überhaupt noch in die Innenstädte zum Einkaufen zu kommen. Einkaufen hänge zwischenzeitlich auch mit Erleben zusammen. Weiteres Thema wird auch die Finanzpolitik sein. "Wir haben in den vergangenen Jahren oft mehr Geld gehabt, als erwartet. Aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Und da müssen einzelne Projekte nach Wichtigkeit herausgepickt werden", sagt Mentrup. Außerdem müsse das Thema Klimaschutz noch einmal ganz neu angegangen werden.

Vom Arzt zur Kommunalpolitik

Mentrup ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Vor seiner Zeit als Oberbürgermeister in Karlsruhe hat er als Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet. Bereits parallel zum Studium hat er sich für Politik interessiert und war 13 Jahre lang Stadtrat in Mannheim - davon fünf Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD. Danach folgten zwei Jahre als Staatssekretär und sieben Jahre als Landtagsabgeordneter. 2012 gewann er die Wahl zum Oberbürgermeister von Karlsruhe direkt im ersten Wahlgang. "Seitdem habe ich den Eindruck, dass ich dort angekommen bin, wo ich schon immer gerne sein wollte. Und genau das mache, was auch meinen Vorstellungen und Fähigkeiten entspricht", so Mentrup.

Chancen zur Wiederwahl nicht schlecht

Seine Chancen erneut zum Oberbürgermeister von Karlsruhe gewählt zu werden, rechnet sich Mentrup nicht allzu schlecht aus: "Ich habe den sogenannten Amtsbonus. Aber das darf einen nicht in Sicherheit wiegen, weil einen jeder kennt. [...] Für mich muss es auch darum gehen, um die Bürgerinnen und Bürger zu werben, die mich weder kennen, noch mich bisher erlebt haben. Und damit ist es fast wie eine Neuwahl und darauf muss ich mich einstellen." Außerdem gehe - nach Meinung Mentrups - der Trend gerade in Zeiten von Corona noch weiter hin zur Briefwahl. Eine bequeme Alternative gerade in den dunklen Wintermonaten die Wahl bereits im Voraus gut zu planen. Mentrup freut sich auf eine hoffentlich hohe Wahlbeteiligung - und das trotz Corona. Dadurch solle die Wahrnehmung der Menschen für Kommunalpolitik und die Arbeit eines Oberbürgermeisters gestärkt werden.

Paul Schmidt - OB-Kandidat für die "AFD"

Schmidt freut sich auf Herausforderung

Paul Schmidt fiebert besonders der Herausforderung entgegen, gegen den amtierenden Oberbürgermeister Frank Mentrup anzutreten: "Ich freue mich zum Beispiel schon auf die bevorstehenden Diskussionen mit Herrn Dr. Mentrup. Ich kenne Mentrup schon seit sechs Jahren und schätze ihn als Person, aber in vielen Sachfragen verfolgt er aus unserer Sicht die falsche Strategie, nämlich eine - unserer Meinung nach - ideologisch geprägte und wir hätten gerne mehr Sachbezogenheit."

Krieg gegen Auto beenden

Eine sachliche Diskussion möchte Schmidt zum Beispiel in Bezug auf das Auto. Wenn der OB-Anwärter gewählt werden sollte, wolle er "den Krieg gegen das Auto beenden." Das möchte der Kandidat durchsetzen, indem keine weiteren Fahrstreifen leistungsfähiger Straßen zurück gebaut werden. Fahrradwege solle es nur abseits der stark befahrenen Straßen geben. In der Innenstadt dürften außerdem keine Parkhäuser außer Betrieb genommen werden. Ein weiteres Problem sieht Schmidt bei der Sicherheit der Karlsruher Bürger. Seiner Meinung nach solle die Stadt nicht mehr "über die Bundes- und Landesverpflichtung hinaus aktiv sogenannte Flüchtlinge nach Karlsruhe holen." 

Sparen statt Steuererhöhungen

Eine weitere Forderung des Bewerbers der AfD ist die Prüfung über die Zusammensetzung der städtischen Ausschüsse. Schmidt kritisiert deren Vorgehen: "In ihnen sind fast so viele sogenannte sachkundige Einwohner, wie Stadträte vorhanden - mit Rede und Stimmrecht - und in einigen Ausschüssen sind diese sachkundigen Einwohner automatisch, immer wieder, also Wahl für Wahl, Vertreter derselben Lobbyverbände." Weiterhin wichtig ist dem OB-Anwärter "einen soliden Haushalt vorzulegen, der auf alle Ausgaben für den sogenannten Klimaschutz verzichtet, die nur minimale CO2-Einsparung bringen und so Einsparung auf die Erhöhung städtischer Steuern und Abgaben verzichtet." Insgesamt möchte Schmidt weitere Steuererhöhungen vermeiden. Stattdessen soll in Karlsruhe gespart werden. 

Über Paul Schmidt

"Ich liebe Karlsruhe. Ich bin hier geboren. Ich bin hier aufgewachsen. Ich lebe hier. Ich bin der Meinung, dass Karlsruhe eine andere Politik braucht und ich bin der Meinung, dass ich es besser hinkriege als unser jetziger OB." Paul Schmidt ist beruflich seit 20 Jahren als Physiker im KKW Philippsburg angestellt und dort in der nuklearen Überwachung, der Brennelement-Entsorgung und als Betriebsrat tätig. Er ist verheiratet und wohnt mit seiner Familie in Bulach. Seine beiden Kinder besuchen öffentliche Schulen in Karlsruhe. Zur AfD kam er 2013 wegen der Energiepolitik. 2014 wurde er als dritter von drei AfD-Kandidaten in den Karlsruher Gemeinderat gewählt; 2019 erhielt er als einziger erneut antretender AfD-Stadtrat die meisten Stimmen der AfD-Liste und ist seither Fraktionsvorsitzender.

Vanessa Schulz - OB-Kandidatin für "Die Partei"

Demokratie in Gefahr

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Nachdem die Grünen keinen eigenen Kandidaten für die OB-Wahl stellen, sieht Vanessa Schulz von "Die Partei" die Demokratie in Gefahr. Denn auch wenn die Politik des amtierenden Karlsruher Oberbürgermeisters Frank Mentrup "an sich schon nicht schlecht war", ist die 39-Jährige gerade in den letzten Jahren mit vielen Entscheidungen Mentrups nicht mehr zufrieden. Die Neubesetzung solle diesmal eine Frau übernehmen. Davon gebe es nämlich zu wenig an der Spitze von Stadtverwaltungen. Dabei würde man gerade an Bundeskanzlerin Angela Merkel sehen, dass Frauen in Führungspositionen sehr gute Arbeit leisten würden.

Umbenennung der Stadt in Karlsruhe

300 Jahre lang ist die Stadt Karlsruhe nach einem Mann benannt. Das möchte "Die Partei" jetzt ändern. Der neue Name soll demnach Karlasruhe sein. "Es ist natürlich ein bisschen Satire mit drin, aber im Grunde genommen steckt dahinter, dass eben Frauen sehr oft benachteiligt werden." Dies betreffe Frauen unter anderem bei der Job- und Wohnungssuche. Um eine Wohnung zu bekommen, musste Schulz selbst sogar schon einmal einen Nachweis über eine Sterilisation liefern. "Solche Sachen gehören in einer zivilisierten Gesellschaft einfach nicht dazu."

Gleichberechtigung nicht nur für Frauen

Die Gleichberechtigung beschränke sich allerdings nicht nur auf Frauen, sondern schließe genauso verschiedene Sportarten und die Arbeit von Kultureinrichtungen mit ein. "Warum geben wir 140 Millionen für einen einzigen Verein, einer einzigen Sportart aus? Andere Sportarten müssen darum bangen, ob sie in der Bundesliga überhaupt weiterspielen dürfen oder nicht und müssen teilweise in die Pfalz ausweichen." Die Kandidatin fasst mit ihrer Kandidatur reale Ziele ins Auge. Denn auch wenn "Die Partei" eine Satireparte ist, möchte Schulz den OB-Posten wirklich haben.

Karlsruhe ist Herzensheimat

Die 39-Jährige selbst ist zwar in Raum Osnabrück geboren und aufgewachsen, Karlsruhe ist aber ihre absolute Herzensheimat. Bevor Schulz ihre politische Heimat in "Die Partei" gefunden hat, war sie vor allem von den etablierten Parteien enttäuscht. Auf die Idee, sich als Bürgermeisterkandidatin zu bewerben, sei sie auf eher ungewöhnlichem Wege gekommen. Schulz habe auf Facebook die Gruppe "Karlsruhe" moderiert. Dabei wurde ihr nach dem Teilen verschiedener Beiträge unterstellt, für die Stadtverwaltung zu arbeiten. Das brachte die 39-Jährige auf die Idee, sich dort tatsächlich für einen Job zu bewerben.

Sven Weigt - OB Kandidat für die "CDU" und "FDP"

Weigt wird Kandidat für CDU und FDP

Sven Weigt wird bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe als gemeinsamer Kandidat für CDU und FDP antreten. Der 49-Jährige ist am Montag als offizieller Kandidat vorgestellt worden. Momentan ist Weigt noch Bürgermeister der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag des Kreises Karlsruhe. Für ihn sei es eine Ehre und erfülle ihn mit Stolz, für die CDU in Karlsruhe antreten zu dürfen, so Weigt bei seiner Vorstellung. In den kommenden 12 Wochen möchte Weigt sich den Karlsruher Bürgern vorstellen: "Ich werde unterwegs sein und mit den Menschen sprechen, außerdem wird es Social-Media-Angebote geben. Für mich spricht, dass ich ein erfahrener Kommunalpolitiker und Verwaltungsfachmann bin."

Mobilität, Klimaschutz und Digitalisierung

Die Themen Mobilität, Klimaschutz und Digitalisierung hat sich Sven Weigt für seinen Wahlkampf auf die Fahne geschrieben. "Mir geht es aber auch um die Lebenswirklichkeit der Menschen. Da geht es um Kindergartenbetreuung, ausreichend Kindergartenplätze, Aufenthaltsqualität auf Spielplätzen, Arbeiten und Wohnen in der Stadt, ausreichend Wohnraum sowie ganzheitliche Mobilität von Schiene, Rad und Individualverkehr. Das alles sind meine Themen", so Weigt im Interview mit der neuen welle. Außerdem möchte er eine langfristig strategische Finanzplanung anbieten, um so zu steuern und eine wirtschaftlich solide Grundlage für Gestaltung zu schaffen.

Familien- und Vereinsmensch

Sven Weigt beschreibt sich selbst als ruhige und überlegte Person, trotzdem aber klar, bestimmt und zielstrebig. Mit seiner Frau hat der 49-Jährige drei gemeinsame Kinder und einen Familienhund. "Ich liebe Sport, früher als Handballer, heute liebe ich Triathlon. Neben einem Familienmensch bin ich auch ein Vereinsmensch, kenne die Sorgen und Nöte von Menschen in Vereinen und im Ehrenamt. Außerdem liebe ich die Menschen - und nur dann kann man diesen Beruf auch mit Leidenschaft ausüben", sagt Weigt über sich selbst.